Schützen und wachsen: Wie Hersteller auf zunehmende Cybersicherheitsbedrohungen reagieren können
Warum das wichtig ist: Da Cyberangriffe auf industrielle Systeme immer fortschrittlicher werden und häufiger auftreten, benötigen Führungskräfte einen strukturierten Ansatz, um Assets zu schützen, die Betriebszeit aufrechtzuerhalten und eine sichere digitale Transformation in der Energiewirtschaft zu ermöglichen.
Die zunehmende Bedrohungslandschaft für die Cybersicherheit
Hersteller, Versorgungsunternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen sehen sich mit immer raffinierteren Bedrohungen in Sachen Cybersicherheit konfrontiert. Bedrohungen und Angriffe entwickeln sich ständig weiter, da standardisierte Malware und fortschrittliche Technologien Angreifern immer neue Möglichkeiten bieten.
Die Motivation für Cyberangriffe ist nach wie vor meist finanzieller Gewinn, aber zunehmend sind auch staatliche Akteure beteiligt. Es gibt immer mehr Angriffe verschiedener Bedrohungsakteure, die auf den Bereich der industriellen Steuerungssysteme abzielen.
Säulen effektiver Cybersicherheit
Cybersicherheitsteams müssen eine mehrschichtige Verteidigungsstrategie einsetzen, die Folgendes umfasst:
- Auf dem neuesten Stand der Bedrohungen bleiben
- Echtzeit-Bestandsaufnahme der Assets durchführen
- Fähigkeiten zur Erkennung von Bedrohungen verbessern
- Sicherstellen, dass Ausrüstung und Geräte über die neuesten Verteidigungsmaßnahmen verfügen
- Systeme patchen und aktualisieren
- Fähigkeiten zur Reaktion auf Vorfälle verbessern
Richtlinien und Verfahren zum Thema Cybersicherheit, die Fort- und Weiterbildung der Arbeitskräfte und regelmäßige Schulungen sind wichtige Aspekte der Cybersicherheit, die zum Schutz kritischer Systeme nach einem risikobasierten Ansatz nicht außer Acht gelassen werden dürfen.
Für Hersteller, die das Potenzial des industriellen Internets der Dinge (IIoT) für sich erschließen möchten, ist die Cybersicherheit ein wichtiges Anliegen. Die Erfordernis wirksamer Gegen- und Schutzmaßnahmen im Bereich der Cybersicherheit ist allgemein bekannt, aber das Verständnis für dieses Thema ist in der Branche bislang noch nicht besonders ausgeprägt. Die Entwicklung und Implementierung von IIoT-Technologien erfordert auch im Bereich der Cybersicherheit neue Fähigkeiten und Kenntnisse. Neue Lösungen können möglicherweise zur Entstehung neuer Angriffsflächen führen, wenn sie nicht sicher implementiert und auf einem gesicherten Stand bewahrt werden.
Identifizierung von Schwachstellen
In der Fertigungsbranche führen technische Lösungen mit höheren Investitionskosten dazu, dass möglicherweise notwendige Aktualisierungen an Systemen gänzlich vermieden oder zumindest aufgeschoben werden. Veraltete Systeme, die nicht auf dem neuesten Stand oder nach dem sogenannten Defense-in-Depth-Ansatz ausreichend geschützt sind, werden am anfälligsten für Angriffe.
Benutzer müssen die Maßnahmen, die sie als Reaktion auf erkannte Bedrohungen und Angriffe ergreifen möchten, nach Prioritäten einordnen und einen effektiven Ablaufplan für diese Maßnahmen entwickeln und anwenden. Dazu gehört die Implementierung und regelmäßige Prüfung und Erprobung von Notfall- und Sicherungs-/Wiederherstellungsplänen durch bzw. für alle Arbeitskräfte, Prozesse und Technologien in ihrer Organisation über den gesamten Lebenszyklus. Selbst etwas so Einfaches wie die Verwaltung von Benutzerkonten muss den gesamten Lebenszyklus der einzelnen Benutzer berücksichtigen, von der ersten Autorisierung bis zum Ausscheiden aus dem Unternehmen.
Risiken durch Schließen der IT- und OT-Lücke reduzieren
Es besteht ein zunehmender Bedarf an Zusammenarbeit zwischen IT- und OT-Stakeholdern, um neue Systeme und Services zu implementieren, die eine Organisation bei der digitalen Transformation unterstützen. Bei der Entwicklung einer Cybersicherheitsstrategie müssen die IT- und OT-Stakeholder die Stärken und Geschäftsziele der jeweils anderen Seite verstehen und dabei die höchsten Sicherheitsstandards wahren.
Jede Fachkompetenz leistet ihren Beitrag. Die IT hat einen stark standardisierten Prozess, während OT eine eher technisch geprägte Lösung nutzt. Die Ziele beider Stakeholder müssen bewertet und Anforderungen festgelegt werden, um Lücken und Risiken für den Betrieb zu vermeiden. Anbieter von Automatisierungslösungen können die sichere Bereitstellung von Systemen erfolgreicher gestalten, indem sie ein mehrschichtiges Portfolio an Sicherheitskontrollen, Verfahren und Dienstleistungen bereitstellen, die sowohl die Systemsicherheit verbessern als auch Endnutzern dabei helfen, Cybersicherheitsbewertungen zu priorisieren.
Cybersicherheit in Ihr Design integrieren
Unternehmen müssen die Cybersicherheit bereits in der Front-End-Entwicklungs- und Konstruktionsphase eines Steuerungssystemprojekts berücksichtigen. Allzu oft werden Cybersicherheitsmaßnahmen nachträglich hinzugefügt, was kostspielig und selten so effektiv ist wie eine umfassende Berücksichtigung der Cybersicherheit in frühen Projektphasen. Dies wird als „Shift Left“-Konzept bezeichnet. Sicherheit durch Design in Verbindung mit einer angemessenen Cyberrisikoanalyse sollte eine Überprüfung der Sicherheitsfunktionen und -kontrollen umfassen, um deren Wirksamkeit angesichts der zunehmenden Cyberbedrohungen sicherzustellen.
Um die geschäftliche Rechtfertigung einer Cybersicherheitsinitiative zu untermauern, können Bewertungen als Maßstab für die Risikominderung herangezogen werden, die den Fortschritt der bisher umgesetzten Cyberinitiativen und den potenziellen Schutz durch den Einsatz zusätzlicher Cybersicherheitsmaßnahmen widerspiegeln. Eine gute Möglichkeit, Cybersicherheitsmaßnahmen zu rechtfertigen, bietet das „Shift Left“-Konzept, bei dem jeder Euro, der für proaktive Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben wird, einem Wert von über 60 Euro für reaktive Sicherheitsmaßnahmen entspricht.
Wenn es doch zu einem Angriff kommt, ist der richtige Weg, diesen zu bewältigen, ein gut dokumentierter und eingeübter Plan zur Reaktion auf Vorfälle. Kurz gesagt: Ohne adäquate Funktionen, Kontrollen und einen gut durchdachten Cybersicherheitsplan lässt sich ein Angriff nicht effektiv abwehren.
Cybersicherheitskultur aufbauen
Wenn Cybersicherheit nicht Teil der Unternehmenskultur ist, verursachen die Arbeitskräfte durch unbeabsichtigte Handlungen, die zu Schwachstellen führen, ein erhebliches Cyberrisiko. Eine allgegenwärtige Kultur der Cybersicherheit reduziert die Risiken durch externe und interne Bedrohungen. Die Schulung des Personals in Bezug auf neue Technologien und die damit verbundenen Aspekte der Cybersicherheit tragen zur Schaffung einer effektiven Cybersicherheitskultur bei.
Es ist von entscheidender Bedeutung, Schulungsmöglichkeiten für Arbeitskräfte zu schaffen, um ihre Technologie- und Cybersicherheitskompetenzen zu verbessern. Die Weiterbildung kann Zeit in Anspruch nehmen, aber die Schulung der Belegschaft, damit sie bewusst Verantwortung im Bereich Cybersicherheit übernimmt, ist ein guter erster Schritt. Wenn Cybersicherheit nicht mehr in der Verantwortung anderer liegt, werden die Menschen natürlich viel mehr Fragen stellen und mit Fachleuten zusammenarbeiten, um unbeabsichtigte Folgen zu vermeiden.
Cybersicherheit erfordert mehr als nur Technologie. Ein tiefgreifendes Verständnis des „Wie“ und „Warum“ in Sachen Cybersicherheit im gesamten Unternehmen ist entscheidend, um sinnvolle Verhaltensänderungen zu bewirken. Es ist daher wichtig, eine Cybersicherheitskultur aufzubauen, die Menschen, Prozesse und Technologie umfasst. Wenn Cybersicherheit in die Arbeitsweise des Personals integriert wird, verbessern sich Entscheidungen und ungewollte Schwachstellen nehmen ab.